Hengste

 

Hengste und ihre Vererbung sind das vielleicht spannendste Kapitel der Pferdezucht. In jedem Fall ist die Auswahl der Hengste ein Schauglas für die Zuchtphilosophie eines Züchters. Dass man, um erfolgreich zu sein, alljährlich die Anpaarungen wechseln muss, ist ein Irrglaube, der zwar in der Hundezucht gelten mag, aber in der Pferdezucht vielfach widerlegt ist. Im Gegenteil: erst der Vergleich mehrerer Vollgeschwister zeigt die genetische Varianz einer Paarung auf und ermöglicht wichtige Rückschlüsse auf die Erbanlagen einer Mutterstute. Die nachfolgende Liste ist chronologisch geordnet nach dem Zeitpunkt der Hengstnutzung in der Schettler’schen Zucht, dennoch aber äußerst subjektiv.

 

Spökenkieker V, schwbr. Hann. v. Spörcken – Rotspon

Trotz einer imposanten Erfolgsliste ist der 174 cm große, halsbetonte und hochelegante schwarzbraune Hannoveraner Spökenkieker V noch längst kein Hotspot, sondern eher noch ein Geheimtipp. Schon als Fohlen aus der Zucht des unvergessenen Alfred Reimann (Gestüt Buchenhain) in Oer-Erkenschwick auffällig in Typ und Gang, gelang Günter Voss (Gestüt Letter Berg) in Coesfeld nach dem Tod von Alfred Reimann der Erwerb des Jährlings. Die Zulassung zur Körung in Verden, das positive Körurteil und erst recht die ersten Eindrücke unter dem Sattel rechtfertigten das Prädikat „Ausnahmepferd“. Weit überdurchschnittliche Grundgangarten, vor allem aber die phantastische Rittigkeit und ein geradezu beispielhafter Charakter mit idealem Nervenkostüm kennzeichnen den statiösen Hengst in der noblen dunklen Jacke. Seine ersten Starts in Reitpferdeprüfungen: ausnahmslos siegreich. Der 14-Tage-Veranlagungstest erbrachte zur Verwunderung seines Umfeldes durchweg „normale“ Noten. Offenbar hatte man dort das besondere Potenzial des noch voll in der Entwicklung stehenden Jünglings noch nicht erkannt. Vierjährig dann nach vorderer Final-Placierung im Hannoveraner Reitpferde-Championat in Verden ein sensationeller Sieg beim Optimum, der Traditionsprüfung für Vierjährige beim Turnier der Sieger in Münster, die Zulassung zum BundesChampionat in Warendorf und dort der Einzug ins Finale der vierjährigen Hengste.

Auch die Saison 2019 startete mit einem Paukenschlag: der erste Start in einer Dressurpferdeprüfung Kl. L wurde gleich zum haushohen Triumph. Mit einer 8,6 und einer halben Note Abstand zum Nächstplacierten. Der zweite Start und zweite Sieg in Wipperfürth bedeutete gleich die Qualifikation  zum BundesChampionat Dressurpferde, wobei Spökenkieker den Favoriten und meistbenutzten Warendorfer Landbeschäler Zoom v. Zack hinter sich ließ. Der dritte Start – wieder ein haushoher Sieg – war das Finalticket zum LVM Youngster-Championat im Januar 2020 in der Halle Münsterland. Im August 2019 in Verden erneut mit einer halben Note Abstand Hannoveraner Dressurpferde-Champion der Fünfjährigen mit endgültig bestätigter Perspektive für das ganz große Viereck.

Als Sohn des Celler Landbeschälers und HLP-Siegers Spörcken von Sir Donnerhall – Lauries Crusdor xx, vor allem aber über seine hochprämierte und außerordentlich fruchtbare Mutter StPrSt Reise von Rotspon – Lemon Park ist Spökenkieker hochaktuell und konsolidiert hannoversch gezogen, mit dem notwendigen Schuss Edelblut im Hintergrund. Diese für die Typ- und Leitungsvererbung sichere Genetik zeigte sich auch bei seinem ersten Fohlenjahrgang: durchweg typvollen, halsige Fohlen mit äußerst elastischen und schwungvollen Bewegungen aus aktiver Hinterhand.

Kein Modehengst, aber ein leistungsorientierter Junghengst mit enormer Perspektive!

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Derzeit tragend: StPrSt. Liberia von Likoto xx – Rosenkavalier

 

Hotline, Hann. R. v. Hofrat  (Trak.) – De Niro

Sein Auftritt bei der Hannoveraner Körung in Verden/Aller im Oktober 2005 war eine Sensation: ein imposanter Rappe mit großen Partien und einem Bewegungsablauf, der einem den Atem stocken ließ! Der Sohn des „Trakehner Hengstes des Jahres“ 2000 Hofrat wurde Siegerhengst und für sage und schreibe 800.000 € nach hochemotionalem Bieterduell nach Dänemark versteigert. Er gewann die Hengstleistungsprüfung in Schliekau mit einem Dressurindex von fast 150 Indexpunkten, dominierte die dänischen Nachwuchs-Championate und hatte seinen großen Auftritt bei den Weltreiterspielen in Aachen. Ein Grand-Prix-Pferd mit allen Attributen eines großen Athleten. Muttervater De Niro von Donnerhall gilt als Garant für die Vererbung von Piaffe- und Passage-Talent. Der bewährte hannoversche Mutterstamm ist identisch mit dem des BundesChampions Alabaster von Akzent II, dem Muttervater des Franziskus. Inzwischen ist Hotline nicht nur in Dänemark, Holland und Schweden, sondern auch in Deutschland ein nachgewiesener Top-Vererber für Dressurpferde mit hoher Vererbungssicherheit in den Grundgangarten und vor allem in der Rittigkeit. Dass dieser Spitzenhengst nach Westfalen wechselte, war ein Wink des Schicksals, den man nicht ignorieren konnte. Zu schade, dass sein Gastspiel in Westfalen nur eine Saison dauerte: Hotline ist inzwischen nach Kanada verkauft.

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Unsere Nachkommen: Hanni Ria, Stute, dbr., Westf., *2019 v. Hotline aus der VerbPrSt Feria von Franziskus – Likoto xx

 

Borsalino, F., Westf. v. Boston (KWPN) – Fidermark

Der ausgesprochen maskuline, plastisch modellierte und bewegungsstarke westfälische Siegerhengst von 2014 mit Geburtsstätte in Oberbayern war als Sohn des früh eingegangenen und hochveranlagten Holländers Boston von Jazz besonders gefragt. Seine auf der Körung geweckten Hoffnungen konnte der imposante Fuchs auch unter dem Sattel erfüllen: dreijährig Dressursieg in der HLP in Schliekau, vierjährig Sieg in der neu eingeführten Sportprüfung für Hengste und in Reitpferdeprüfungen sowie Finalteilnahmen beim Westfalen-Championat in Münster-Handorf und beim BundesChampionat in Warendorf sprechen für sich. Vor allem seine ersten Fohlen zeigten: hier ist ein neuer Stern am Vererberhimmel aufgegangen, der seinen Typ und seine Bewegungen in seltener Individualpotenz weitergibt und auch am Fohlenmarkt entsprechend honoriert wird. Turniersportlich hält Borsalino sich leider völlig zurück, gleichwohl bestätigen seine ersten Nachkommen unter dem Sattel mit hoher Rittigkeit, sehr gutem Gang und korrektem Exterieur die in sie gesetzten Erwartungen.

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Hier geht es zum Video von 2017.

Unsere Nachkommen: Bernie S (vulgus: Bruno), Hengst, Westf., *2017, Dunkelfuchs

 

Morricone I, Oldb. R. v. Millennium (Trak.) – Rubin Royal

Eigentlich ist der Oldenburger Siegerhengst 2014 in seiner glänzenden Rappfarbe, seinem hochedlen Typ, seinen drei herausragenden Grundgangarten und seinem besonders menschenfreundlichen, umgänglichen, nervenstarken Charakter zu schön, um wahr zu sein. Dass er auch noch bester Dressurhengst seiner HLP werden konnte mit 10,0-Bewertungen in Schritt und Rittigkeit ließ die letzten Kritikaster verstummen. Die ersten Fohlen des Morricone sind bestechend schön und mit sehr guten Bewegungen gesegnet, sodass man deren Einsatz unter dem Sattel kaum abwarten kann. Morricone ist Oldenburger Hauptprämiensieger 2016 und 2017 zum BundesChampionat des Deutschen Dressurpferdes qualifiziert, 2018 bei drei Starts in der Dressur-Klasse M unter dem Sattel von Lena Waldmann dreimal siegreich. Anfang 2019 gelang der Sprung in die Klasse S, gleich vor großer Kulisse bei Hallenturnier in der Halle Münsterland in Münster: ein zweiter Platz als jüngster Starter gegen starke Konkurrenz. Inzwischen steht auch der erste S-Sieg zu Buche, der große Möglichkeiten offenbart, weil Morricone offenbar eine ganz wichtige Eigenschaft beitzt: die richtige Einstellung zur anspruchsvollen Dressurarbeit und das dazu notwendige gute Nervenkostüm.

Zwei Vollbrüder wurden in Vechta gekört: Morricone III 2018 sogar als viel beachteter Prämienhengst und angehender Celler Landbeschäler in der Spitze seines Jahrgangs. Sie sind ein Beweis für die genetische Absicherung der Typ- und Leistunsvererbung.

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Unsere Nachkommen Mona Ria, Stute, Westf., *2017, schwbr.; Mia Mora, Stute, Westf., *2018, dbr.

 

Rock Forever NRW, dbr. Westf. v. Rockwell – Landstreicher

Als Sohn des Multi-Talents Rockwell von Rocket Star – Grandus kam der Reservesieger der NRW-Körung auf der gleichen Station wie sein Vater zum Einsatz, bei Wilhelm Holkenbrink in Münster-Albachten. Schon sein erster Fohlenjahrgang konnte überzeugen. Obwohl eigentlich springmäßig gezogen, präsentieren sich die Nachkommen des 172 cm großen Dunkelbraunen äußerst bewegungsstark und überwiegend typvoll. Nur gelegentlich tritt der etwas breite Halsansatz mit deutlicher Unterhalslinie bei den Fohlen in Erscheinung. Die durchweg überzeugende Rittigkeit wird hierdurch nicht beeinträchtigt. Rock Forevers eigene Turnierkarriere vollzog sich ebenfalls auf dem Dressurviereck: nach Top-Placierungen beim BundesChampionat und der WM Junger Dressurpferde qualifizierte er sich für das Finale des Nürnberger Burgpokals und zählte unter Sophie Holkenbrink zu den etablierten Grand-Prix-Pferden. Seit Jahren gehört Rock Forever zu den Top 10 in der FN-Zuchtwertschätzung Dressur mit einen Dressurindex von 150, liefert aber auch beständig gekörte Söhne (u. a. Siegerhengst Rock for Me) und Spitzenstuten (u. a. Siegerstute StPrSt Romy). Fur die Schettler’sche Zucht brachte Rock Forever gleich als Erstling der VerbPrSt. Feria von Franziskus – Likoto xx ein Spitzenprodukt, die herrlich modellierte StPrSt. Ria Rocana, die dreijährig nicht nur eine exzellente Stutenprüfung absolvierte, sondern bei ihrem ersten Turnierstart gleich ins Finale des Westfälischen Reitperde-Chmpionats in MünsterHandorf vorstieß.

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Unsere Nachkommen Ria Rocana, Stute, Westf., 2016, dbr.; Ria Eterna, Stute, Westf., 2017, dbr.

 

Belantis, Schi., DSP (Brdbg.) v. Benetton Dream – Expose

Als Zuchtprodukt des Brandenburgischen Haupt- und Landgestüts Neustadt/Dosse aus der berühmten und überaus bewährten P-Familie begleiteten den DSP-Siegerhengst 2011 von Anfang an große Hoffnungen. Der Benetton Dream-Sohn war zweimaliger Finalist der Reitpferde-BundesChampionate, BundesChampion des Deutschen Dressurpferdes 2014 in Warendorf und Vize-Weltmeister der Jungen Dressurpferde 2015 in Verden, 2016 unter Isabell Werth bereits auf internationalem Parkett auf S-Niveau (St. Georg und Intermediaire I) erfolgreich, 2017 siegreich. Der Sprung in die Grand-Prix-Klasse gelang bereits 2018, mit großer internationaler Perspektive.

Mit dem Wechsel in den Stall von Isabell Werth nach Rheinberg kam der Schimmel, der seine Farbe sehr oft mitgibt, über die Station Schult in Hünxe zum Zuchteinsatz und konnte die zuvor kolportierten Fruchtbarkeitsprobleme effektiv widerlegen. Exterieurmäßig kann man den etwas langen Rücken kritisieren, das etwas schlackernde Vorderbein oder den wenig markanten Widerrist, aber insgesamt bleibt Belantis, vor allem wegen seiner Charakter- und Reiteigenschaften, eine seltene Ausnahmeerscheinung mit höchster Begehrlichkeit, der mit seinem ersten Nachkommenjahrgang bereits unter den Top-1% der FN-Zuchtwert-Schätzung Dressur 2016, ZW 158 liegt. Im Oktober 2017 mit einem Aufsehen erregenden Sohn als Prämienhengst der Hannoveraner Körung in aller Munde, im November 2017 als Masters Hengst 2017 beim Stuttgarter Hallenturnier ausgezeichnet, wenige Tage später als Vater des Oldenburger Siegerhengstes Benefit, der für 600.000 € nach Schweden verkauft wurde und Anfang 2018 den 30-Tage-Test in Neustadt/Dosse gewinnen konnte, auch als Spitzenvererber bestätigt. Seit Mitte 2018 Wallach, aber über Tiefgeriersanen weiterhin verfügbar.

Unsere Nachkommen Bella Ria, Stute, Westf., *2016, schwbr. (k. Sch. w.); Best of 10, Hengst, Westf., *2015, R.-Sch.

 

Fürst Fohlenhof, DF., Rhld. v. Fidertanz – Mephistopheles

Der kapitale rheinische Fuchshengst war Prämienhengst der Körung in Münster-Handorf, wurde dreijährig unter Lisa Neukäter (verh. Lindner) BundesChampion, vierjährig Bundes-VizeChampion und Sieger im Optimum. Drei überragende, geschmeidige Grundgangarten, hohe Durchlässigkeit und Versammlungsfähigkeit machen den mütterlichen Halbbruder des Warendorfer Stempelhengstes Fürst Piccolo von Fidermark eigentlich zu einem Dressurpferd par excellence. Nach ersten Erfolgen in Dressurpferdeprüfungen Kl. M und trotz mehrfachem Reiterwechsel geriet die Turnierkarriere ins Stocken, was auch der züchterischen Nachfrage nicht gut tat. 2017 stellte er mit der 1. Reservesiegerin der Westfälischen Eliteschau in Münster eine Spitzenstute ihres Jahrgangs.  Fürst Fohlenhof wäre nicht der erste Hengst, der aus einer vorübergehenden züchterischen Versenkung wieder auftaucht, nachdem seine Nachkommen unter dem Sattel zeigen, was in ihnen steckt.

Unsere Nachkommen Fürst Valentin, Wallach, Westf., *2016, F.

 

Franziskus, dbr. Hann. v. Fidertanz – Alabaster

Sieger des Deutschen FohlenChampionats Lienen 2008, Prämienhengst der NRW-Körung Münster-Handorf 2010, BundesChampion der Vierjährigen 2012, Finalist der Weltmeisterschaften Junger Dressurpferde in Verden 2014, inzwischen mehrfach siegreich in S-Dressur bis zum Grand Prix und zu allem Überfluss ein „Fohlenmacher“, wie man ihn selten findet. Herrlicher Typ in selten erreichter Körperharmonie, durch den ganzen Körper federnde Bewegungen mit maximalem Raumgriff und ein idealer großer Rahmen lassen gewisse Schwachpunkte in der Sattellage und im Schritt vergessen, zumal auch seine Nachkommen rittig und bewegungsstark sind, dabei aber immer wach, gelegentlich auch mal sehr wach. Drei Franziskus-Töchter sind auf dem Hof Schettler geboren worden.

2016 unter Ingrid Klimke Zweiter im Finale des Nürnberger Burgpokals. 2017 siegreich in Inter II, Grand Prix und Grand Prix Special, qualifiziert zum Finale des Louisdor-Preises. Seit 2018 auf der ganz großen Bühne u. a. in Aachen, Wiesbaden und beim Turnier der Sieger ganz vorne dabei, imposant vor allem in der Grand-Prix-Kür, die er vor dem Münsteraner und dem Biebricher Schloss unter Flutlicht zelebrieren und gewinnen konnte. In der FN-Zuchtwertschätzung 2017 Dressur (Jungpferdeprüfungen) gehört Franziskus mit 134 Indexpunkten zur Spitze der jungen Vererber.

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Video 2019: Franziskus mit Ingrid Klimke, Grand Prix Kür Wiesbaden

Unsere Nachkommen Fräulein Ria (Nickname: Franzi 3), Hann., dbr., 166 cm; *2014; Fabula Ria, Westf., *2013, schwbr., 169 cm; VbPrSt. Feria, Westf., *2012, schwbr., 167 cm;

 

Abegglen FH, schwbr. Westf. v. Ampere – Carabas

Prämienhengst der NRW-Körung 2013 mit nur kurzer Zuchtkarriere, Finalist des BundesChampionats des Deutschen Dressurpferdes 2016 in größtmöglichem Rahmen, mit spektakulärer Trabaktion und erhabener Galoppade ausgestattet, bereits beim ersten Start in der Dressurklasse S siebenjährig im Prix St. Georges Special hochplaciert, inzwischen bereits siegreich im Grand Prix Special. Als Sohn des holländischen Top-Vererbers Ampere von Rousseau aus dem klassischen Stamm der ersten westfälischen DLG-Siegerstute StPrSt. Finale v. Fabriano (vgl. F.-J. Neuhaus, Zuchtschätze, Münster 2007, Seite 206 ff.) gezogen. Auffallender Hengsttyp, der sich zu allem Überfluss auch noch sehr geschmeidig über dem Sprung zeigt.

2017 als Wallach qualifiziert zum Finale des Nürnberger Burgpokals beim Frankfurter Festhallenturnier im Dezember (Reiter: Marcus Hermes, Nottuln), mit allen Möglichkeiten für den ganz großen Dressursport. 2018 bereits qualifiziert zum Louisdor-Preis in Frankfurt und international siegreich in Grand Prix und Grand Prix Special mit überragender Piaffe und Passage.

Unsere Nachkommen Alswinn, Westf., *2014, Rappe, 175 cm

 

Vitalis Ldb., DF., KWPN v. Vivaldi – D-Day

„Vitalis ist die westfälische Antwort auf Totilas“, hieß es nach der NRW-Körung 2009, als der kapitale holländische Dunkelfuchs mit seiner sensationellen Trabaktion Reservesieger hinter Silbermond geworden war. Überragende Auftritte in den ersten Hengstvorführungen ließen ihn mit 250 Erstbesamungen zum meistbenutzten Deckhengst Westfalens werden. Der erste Fohlenjahrgang war von seltener Qualität; ohne Ausnahme korrekte und bewegungsstarke Fohlen, denen man die manchmal etwas langen Gesichter gerne verzieh. Die ersten Dreijährigen unter dem Sattel waren ein Phänomen und beherrschten die Reitpferdeprüfungen bis zum Westfalen-Championat in erdrückender Überlegenheit, nicht zuletzt dank ihrer hohen Rittigkeit und ihres ausgesprochen kooperativen Charakters.

Nach zweijährigem Gastspiel in USA mit Siegen bis Intermediaire A kehrte der Fuchshengst Ende 2015 nach Deutschland zur Deckstation Paul Schockemöhle in Mühlen zurück und qualifizierte sich unter Isabel Freese nach etlichen S-Siegen für das Finale des Nürnberger Burgpokals, das er gegen stärkste Konkurrenz u.a. gegen Franziskus gewinnen konnte. Ein außergewöhnlicher Vererber mit seltener Individualpotenz.

Unsere Nachkommen VerbPrSt. Via Rossa, Westf., *2012, DF., 168 cm, SLP 7,97

 

Silbermond, schwbr. Westf. v. Sir Donnerhall I – Ramiro’s Son

Der schwarzbraune, westfälische Siegerhengst von Sir Donnerhall ist ein Beispiel für das Auf und Ab einer Hengstkarriere, in den Himmel gelobt und dann verrissen. Erst Bundes-Vizechampion, Sieger im Optimum, dann schließlich S-Dressur-Sieger. In seinen ersten Deckeinsatzjahren viel beschäftigt, ließen die zahlreichen, sehr unterschiedlichen Fohlen die erhofften auffälligen Bewegungen vermissen. Im Turniereinsatz erwiesen sich seine Nachkommen jedoch als rittig und leistungsbereit und verschafften ihrem Vater einen Zuchtwert unter den Top-10-Prozent, dazu mit deutlicher Doppelveranlagung, wie sie auch der auf dem Hof Schettler gezogene Silenos von Silbermond aufweist. Er ist in Dressur-, Gelände- und Springpferdeprüfungen sowie Vielseitigkeitsprüfungen unter Dr. Christiane Schettler erfolgreich.

Unsere Nachkommen Siria, Stute, Westf., *2011, F.; Silenos 2, Wall., Westf., *2011, dbr.

 

Likoto xx Ldb. (Celle), schwbr. Engl. Vollblut v. Fit to Fight xx – Lyphard’s Wish xx

Ein besonders wertvoller Veredler in der Reitpferdezucht ist der typvolle, schwarzbraune, 1993 aus US-amerikanischen Linien gezogene Fährhofer, der Klassensieger der Vollbluthengstschau Köln 1997 war und dort von Werner Schockemöhle (Löhne) entdeckt wurde. War als Zweijähriger 1995 auf der Rennbahn Mülheim bereits eine erfolgreiche Wette von Rolf Schettler mit der Idee: „Das wär‘ einer für die Warmblutzucht!“  Manchmal werden Wünsche wahr. Im Landgestüt Celle fand Likoto xx mit der Deckstelle Ankum einen vollblut-affinen Zuchtbezirk und konnte weit über Hannover hinaus strahlen. Springen ist in der Regel nicht die Leidenschaft der Likoto-Kinder, und auch eine Verbesserung des Sprunggelenks darf man sich von ihm nicht erhoffen. Aber mit seiner überaus reitpferdegerechten Halsung, seiner sicheren Größenvererbung und vor allem seinem für Vollblutverhältnisse herausragenden Gang ist er zu einem der wichtigsten Veredler der jüngeren Zuchtgeschichte geworden, dessen sprichwörtliche Vitalität und Ausgeglichenheit ganz wertvolle Eigenschaften sind. Im Alter von 26 Jahren (!) abgetreten. Für die Schettler’sche Zucht hat er in dreijährigem Einsatz drei StPr.-Töchter gebracht, u.a. die herausragende StPrSt. Liberia (aus der StPrSt. Ria Nova von Rosenkavalier) und deren in M-Dressur erfolgreiche Vollschwester StPrSt. Legenda Ria.

Unsere Nachkommen StPrSt. Lotteria, Westf., *2005, br., SLP 7,47; StPrSt. Liberia, Westf., *2005, schwbr., SLP 7,86;  StPrSt. Legenda Ria, Westf., *2004, br., SLP 7,20

 

Arpeggio Ldb., dbr. Westf. v. Acord II – Power

Der von Heinz Dieckhoff-Holsen in Telgte gezogene dunkelbraune Reservesieger der Westfälischen Hauptkörung 1998 imponierte durch hervorragende Bewegungen ebenso wie durch überragendes Springen. Im Landgestüt Warendorf dressurmäßig weit gefördert, etablierte sich Arpeggio als herausragender Springpferdevererber von internationalem Rang. Für die Schettler’sche Zucht, in Zuchtgemeinschaft mit Dr. Dr. Heinz Erpenstein (†) lieferte Arpeggio das Springwunder Alex, ehem. Archie Moore (aus der StPrSt. Marilu v. Mon Cheri), der 2016 mit Audrey Coulter (USA) im World Cup-Finale Göteborg stand, beim Hamburger Springderby 2016 in der Global Champions League an 2. Stelle endete und auch 2017 im Finale des World Cups in Omaha/USA placiert war, dann in den Stall von Jennifer Gates (USA), der Tochter des IT-Giganten Bill Gates wechselte und 2017 US-Champion der Springreiter U25 wurde.

Unsere Nachkommen Alex 276 (ex: Archie Moore), Westf., *2004, br.

 

Akitos xx Ldb., R., Engl. Vollblut v. Green Dancer xx – Pantheon xx

Der schwarze Schlenderhaner Green Dancer xx-Sohn aus der berühmten Winterkönigin Akita xx von Pantheon xx war eine herausragende Erscheinung in Typ, Exterieur und Gang. Sieger der Vollbluthengstschau Köln und nach langem Werben durch Landstallmeister Dr. Gerd Lehmann endlich Warendorfer Landbeschäler. Dort auch reiterlich unter Hauptsattelmeister Klaus Tönsfeuerborn erfolgreich umgeschult. Die zahlreichen Fohlen aus den ersten Jahrgängen erwiesen sich aber mehrheitlich als charakterlich schwierig, sodass die Nachfrage stark nachließ. In zweiter und dritter Generation eines Pedigrees dennoch immer wieder eine Bereicherung.

 

Beltain Ldb., F., Hann. v. Bolero – Grande

Als 2 1/2-jähriger Junghengst gehörte der halsbetonte, mit plastischer Muskulatur und hervorragenden Bewegungen gesegnete Goldfuchs und Bolero-Sohn zu den Geheimtipps für die Hannoveraner Körung 1986, an der er dann verletzungsbedingt nicht teilnehmen konnte. So gelangte er in den Stall von Hans-Jörg Karsten in Münster und siegte unter Leonie Bramall (CAN) mit Trainingsunterstützung durch Reitmeister Johann Hinnemann (Voerde) in der S-Dressur bis Inter I, bevor er als Leihhengst zum NRW-Landgestüt wechselte. Das Spitzenfohlen aus seinem ersten Jahrgang kam aus der Schettler’schen Zucht. Das Hengstfohlen Benstein (aus der StPrSt. Wagnis v. Winner) wurde nach verpasstem Körziel 5-jährig Westfälischer Dressurpferde-Champion in Riesenbeck 2002 mit Oliver Oelrich. Erfolgreichster Stammhalter des Beltain ist sein Sohn Belissimo NRW, der als Grand-Prix-Sieger und Vererbungs-Champion für Furore sorgt.

 

Fleurop Ldb., DF., Westf. v. Florestan – Weltruf

Der erste gekörte Florestan-Sohn debütierte als vierjähriger Warendorfer Landbeschäler mit sehr guter Leistungsprüfung auf der Deckstelle Coesfeld-Lette. Viele Züchter stießen sich an seinem recht großen Kopf und seinen vorübergehenden Eingewöhnungsschwierigkeiten auf Station; er ging – wie man so sagt – in den ersten zwei Wochen die Wände hoch. Exzellente Trabmechanik, eine ideale Sattellage, eine lehrbuchhaft konstruierte Kruppe und sehr gute Rittigkeit bei hoher Versammlungsbereitschaft waren jedoch Qualitätsmerkmale, die Fleurop beständig vererbte. Für die Schettler’sche Zucht lieferte er vor allem die vielseitige, unter dem Sattel und im Einspänner erfolgreiche StPrSt. Fia (aus der StPrSt. Ria Nova v. Rosenkavalier).

Unsere Nachkommen StPrSt. Fia, Westf., *2002, br., SLP 8,04

 

Rockwell, dbr. Rhld. v. Rocket Star – Grandus

Die Auswahl des nur knapp 164 cm großen dunkelbraunen Rheinländers Rockwell von Rocket Star – Grandus für den Endring der NRW-Körung in Münster-Handorf 1995 hatte einige hämische Kommentare über das vermeintliche „Hengstchen“ zur Folge. Diese verstummten aber rasch, nachdem Rockwell seine ersten Starts in Reitpferdeprüfungen unter dem Dattel seiner Ausbilderin Hella Kuntz in Siege ummünzte und zum BundesChampionat nominiert wurde. 1998 qualifizierte er sich als Fünfjähriger mit Hella Kuntz zum Dressurpferde-BundesChampionat, mit Gerd Könnemann für das Spring-Championat, in dem er letztlich das Finale erreichte. S-Erfolge in Dressur und Springen unterstrichen seine vielseitige Leistungsbereitschaft. Hengstsöhne wie Rock Forever und Revolverheld taten ihr Übriges. Für die Schettler’sche Zucht brachte Rockwell u.a. das für Finnland erfolgreiche internationale Junioren-Dressurpferd Rock Rum (aus der StPrSt Ria Nova v. Rosenkavalier) und dessen Vollschwester VerbPrSt. Ria Rocca, die in Einspännerprüfungen mehrfach in Klasse M siegreich war.

Unsere Nachkommen VbPrSt. Ria Rocca, Westf., *2001, schwbr., SLP 7,60; Rock Rum, Wallach, Westf., * 2000, br.

 

Upan la Jarthe AA  Ldb., schwbr. AA v. Pancho II – Flor II

Der aus der Weingegend um Bordeaux stammende halsbetonte, schwarzbraune französische Anglo-Araber von Pancho II wurde vom Trakehner-Züchter Otto Langels entdeckt, aufgezogen und angeritten. Nach kurzem Deckeinsatz in der Trakehner-Zucht, aus dem u.a. der gekörte Sohn Stradivari stammt, wechselte Upan ins NRW-Landgestüt Warendorf und auf die Station Ahaus. Upan vererbte in seltener Konstanz Springvermögen und Typ, leider nur selten besondere Trabbewegungen. Im Alter begann er in Stall heftig zu weben.

 

Weltmeyer Ldb (Celle), F., Hann. v. World Cup I – Sender

Der hannoversche Siegerhengst 1986 und Celler Landbeschäler, HLP-Sieger 1987, Bundes-Champion und DLG-Sieger war in Typ, Bewegung und Individualpotenz ein Jahrhunderthengst. Beim BundesChampionat des Deutschen Reitpferdes 1987 in Vechta kreuzte er die Klingen mit der Schettler’schen StPrSt. Ria von Ricardo, wobei Weltmeyer die Nase ganz knapp vorne behielt und Ria Dritte wurde. Kraftvolle, mit viel Schub versehene Trabbewegungen vererbte er durchschlagend, aber auch korrekte Fundamente, umgänglichen Charakter und Rittigkeit. Für die Schettler’sche Zucht lieferte er u.a. das S-Dressurpferd und LVM-Youngster Champion Warantus 5 (aus der StPrSt. Ria v. Ricardo).

Unsere Nachkommen Winslet 7 (ex: Wie Ria), Westf., *2004, F.; Warantus 5, Wall., Westf., *1991, F.

 

Rosenkavalier Ldb., dbr. Westf. v. Romadour II – Dilettant

I-c-Hengst der Westfalen-Körung 1982, Sieger der Warendorfer Hengstleistungsprüfung 1983 und zeitlebens unterschätzter Landbeschäler, der Typ, Umgänglichkeit und Rittigkeit beständig vererbte. Großer Rahmen, mächtige Halsung und ein charmantes, ausdrucksvolles Hengstgesicht kennzeichneten den Sohn des DLG-Siegers Romadour II aus der DLG-prämiierten westfälischen Spitzenstute StPrSt Diva von Dilettant – Axtfeld, der erst durch seinen in Zucht und Sport prominenten Sohn Rubinstein (a.e. Angelo xx-Mutter) bundesweite und internationale Beachtung fand. Einige seiner Nachkommen sollen Probleme mit den Atemwegen gehabt haben, was bei der Schettler’schen Nachzucht allerdings nicht der Fall war. Rosenkavalier war sieben Jahre lang Zuchtpartner unserer StPrSt Ria v. Ricardo.

Unsere Nachkommen StPrSt. Ria Rossa, Westf., *1999, DF., SLP 7,50; StPrSt. Ria Nova, Westf., *1995, br., SLP 7,63

 

Ricardo, dbr. Westf. v. Renaldo – Filter

Der westfälische Siegerhengst 1976 Ricardo war ein typischer Vertreter des Radetzky-/Remus-Zweiges der Ramzes x-Linie: halsbetont mit typvollem, arabisiertem Gesicht, einer schulterfreien, für heutigen Geschmack vielleicht etwas flachen Trabbewegung und der Neigung, hinten breit zu werden. Nach sieben Jahren als Warendorfer Landbeschäler in Neuenkirchen (Kreis Steinfurt) und als vielbeachtetes, weil effektvolles Vorderpferd in Tandem und Viererzug bei den Warendorer Hengstparaden, wechselte der imposante Dunkelbraune im Januar 1985 als Privathengst nach Bayern, wohin ihn die Besitzergemeinschaft Eymann/Schettler als Boxennachbar und Anschlusshengst für den Frühling-Sohn Fantast „entführte“. Sowohl in Westfalen als auch in Bayern schätzt man den Namen Ricardo immer noch im Stutenstamm.

Das internationale Grand-Prix-Pferd Ramon (a.e. Angelo xx-Mutter) unter Uta Wüsthoff, die BundesChampionats-Finalistin Rendezvous (a.e. Frühlingsrausch-Mutter) unter Maria Leusmann und die hochdekorierte Schettler’sche St.Pr.St. Ria (a.e. Situs-Mutter) waren die bedeutendsten Nachkommen dieses Hengstes, dem die ersten FN-Zuchtwertschätzungen einen positiven Dressur-Zuchtwert attestierten.

 

Fantast, schwbr. Westf. v. Frühling – Abendwind

Die Versuchung eigener Hengsthaltung ist auch an Werner und Rolf Schettler nicht vorübergegangen. Im Herbst 1977 erwarb Werner Schettler für seinen Sohn Rolf den schwarzbraunen westfälischen Privathengst Fantast von Frühling – Abendwind – Fechtmeister, der auf der Deckstation Rohman in Marl stationiert war. Dort war er beim Reiterverein St. Georg Marl mit Rolf Schettler erfolgreich in Einzel- und Mannschaftswettbewerben Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Nach dem Abitur und dem studienbedingten Wechsel nach Regensburg ging auch Fantast mit in den Süden und wurde vom Landesverband Bayerischer Pferdezüchter als Privathengst anerkannt. Rolf Schettler wurde damit zum jüngsten Privathengsthalter Deutschlands.

Als mit Eintritt in die heiße Phase des Jurastudiums die Zeit knapp wurde, übernahm der Regensburger Pfandleiher, Pferdezüchter und väterliche Freund Heinrich Eymann, Gestüt G‘schlössl in Altenthann, den Hengst und die Betreuung der Schettler‘schen Kunden.

Fantast war ein knochenstarker, 166 cm Stockmaß großer, substanzvoller Hengst. Er vererbte sich sehr korrekt, durchweg sehr rittig und bewegungsstark, leider mitunter auch etwas derb, gelegentlich kurzbeinig und tonnig. Besonders erfolgreich war sein Sohn Fridolin, der unter Heinz-Holger Lammers in S-Dressur vielfach siegreich war.