RWAS Royal Welsh Agricultural Show – ein Event der etwas anderen Art

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Und wir waren in diesem Jahr dabei.

Der kleine walisische Ort Llanelwedd in der Gemeinde Builth Wells im Herzen von Süd-Wales scheint seit 1963 einmal im Jahr für vier Tage der Nabel der Welt zu sein. Jedenfalls für Pferde-, Rinder- und Schafzüchter. Knapp 250 000 Besucher, davon lediglich 15 % nicht aus Wales, machen sich alljährlich auf den Weg zur RWAS Royal Welsh Agricultural Show, um sich über die neuesten Entwicklungen in der Land- und Forsttechnik, vor allem aber über Tierzucht zu informieren. Kaum vorstellbare 800 Rinder, 2 900 Schafe und über 3 000 Pferde werden an den vier Tagen in den unterschiedlichsten Wettbewerben miteinander verglichen.

Bei den Pferden dominiert naturgemäß die Rassegruppe Welsh, von denen die Welsh Cobs (Section D) mit 480 Nennungen die deutlich größte Gruppe darstellen, gefolgt von den kleinen Welsh Mountain Ponys (Section A) mit 380 Nennungen. Neben zahlreichen züchterischen Wettbewerben, in denen die Pferde an der Hand, im Stand und in der Bewegung präsentiert werden, gibt es auch zahlreiche fahrsportliche Prüfungen. Allen Wettbewerben gemeinsam ist die für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Tatsache, dass sie stets von einem Einzelrichter beurteilt werden – selbst das Highlight der Veranstaltung, die Beurteilung der achtjährigen und älteren Welsh Cob-Hengste, deren Abschneiden auf der Royal Welsh für das folgende Jahr ganz entscheidend deren züchterische Inanspruchnahme mitbestimmt. Mindestens 5 000 Zuschauer versammeln sich dann auf der Haupttribühne, um lautstark ihren Favoriten anzufeuern, wenn dieser an der Hand in aktionsreichem Trab die lange Gerade heruntersteppt oder aber unter dem Sattel im wilden Galopp an den Zuschauern vorbeiprescht. Was einen guten Welsh Cob ausmacht? Ein alter, längst pensionierter Zuchtrichter bringt es auf den Punkt: „A face like an actress – an ass like a cock!“ (Ein Gesicht wie eine Schauspielerin – ein Hintern wie ein Gockel). Doch sie müssen auch gehen können, wobei das walisische Publikum hierunter vor allem eine maximal ausgeprägte „Knieaktion“ versteht, weitgehend ohne Rückentätigkeit und ohne Rücksicht auf die hierzulande prioritären Kriterien wie Takt, Losgelassenheit und Schwung. Etwas irritierend für mitteleuropäische Augen ist ferner die Tatsache, dass die Schaupferde komplett rasiert sind, sämtliche Tasthaare am Maul und an den Ohren entfernt sind.

 

Drei Tage haben wir die walisische Gastfreundschaft auf der Show genießen dürfen, aber wir haben lange nicht alles gesehen, was es zu sehen gab. Dennoch haben wir einen tollen Eindruck gewinnen können und sind immer noch verblüfft über die Vielzahl der Tiere und den reibungslosen Ablauf, der bei diesem Getümmel keinesfalls garantiert ist.

Unser Fazit: Ein Besuch der Royal Welsh Show lohnt sich!