Stutenstamm

Stutenstamm

Pferde gehörten eigentlich schon immer zur Familie: ob im 18. und 19. Jahrhundert auf der bäuerlichen Scholle der Familie Schettler im ostpreußischen Masuren oder als Transporthelfer im Handwerksbetrieb im westfälischen Wanne-Eickel. Mit der Gründung des Reitervereins Emscherbruch Herne 1972 begann für den damals 13jährigen Rolf Schettler und dessen Schwester Heike die systematische, schulmäßige reiterliche Ausbildung für den Turniersport.

Züchterischer Start mit Angelique von Angelo xx

Die eigene Zucht der Familie Schettler startete Ende der 1970er Jahre mit der noblen westfälischen Schimmelstute Angelique von Angelo xx – Goldberg. Die Mutter dieser Halbblutstute, Gruga von Goldberg – Flirt hatte selbst unter Landestrainer Hermann Vosskamp Turniererfolge im Springen bis zur Klasse M aufzuweisen und wurde später durch die Lieferung des Hannoveraner Siegerhengstes 1989 und Celler Landbeschälers Glücksgriff vom Gardestern populär. Die bewegungsstarke und springgewaltige Angelique kam tragend vom Stempelhengst Frühling auf den Hof, was beim Kauf der Stute ein gewichtiges Argument war. Das daraus gefallene Stutfohlen Felina von Frühling, ebenfalls die Schimmelfarbe tragend, blieb etwas knapp im Rahmen und wurde später erfolgreiche Zuchtstute in Bayern. Die Angelique-Tochter Relana von Remus I, ein charmantes Blutpferd, erreichte Dressur- und Springerfolge unter dem Sattel von Anna von Boch und ihrer Schwester Elisabeth im Saarland und in Rheinland-Pfalz.

Aus anderen Zuchtversuchen der Familie Schettler entstand der vielfache S-Springsieger St. Ludwig’s Bonheur von Quel Bonheur – Maikater I – Wolfsburg, den Eberhard Seemann für das BundesChampionat Springpferde qualifizierte und der später vor allen Dingen mit Jessica Kürten (geborene Chessney)/IRE international erfolgreich war.

Ausflug in die Vollblut-Szene

Schon Mutter und Großvater des heutigen Hofbesitzers hatten ein Faible für die edlen Vollblüter. So wurde im September 1986 in Baden-Baden anlässlich der Großen Rennwoche und der dortigen BBAG-Vollblut-Jährlingsauktion der Familien-Rennstall „R. Schettler u.a.“ gegründet mit dem Erwerb der Jährlingsstute La Frontalita xx von Frontal xx a.d. Litty xx v. Soderini xx, Halbschwester des späteren Deutschen Derby-Siegers Lebos v. Nebos xx aus dem Gestüt Westerberg der Familie Dr. Heinz von Opel in Ingelheim/Rhein. Sie ging zu Championtrainer Bruno Schütz nach Köln ins Training und konnte zwei Rennen gewinnen, bevor sie in die eigene Zucht der Familie Schettler wechselte. Es war der Versuch zu beweisen, dass auch mit den Aufzuchtmethoden der Warmblutzucht leistungsfähige Vollblüter herausgebracht werden können, zu einer Zeit, in der ein 24/7-Weidegang in den etablierten Vollblutgestüten noch nicht die Regel war. Zwei Nachkommen des Nebos und einer des Orofino, die alle kleinere Rennen gewinnen konnten und später in den Hindernisrennsport wechselten, waren das zumindest achtbare Ergebnis. Ein Produkt, dass mit Aussicht auf Erfolg in der Warmblutzucht hätte eingesetzt werden können, war nicht dabei. Und es wurde immer deutlicher, dass man als Vollblutzüchter und -besitzer viel weniger aktiven Einfluss nehmen kann als bei den Reitpferden, sodass die Erkenntnis reifte, sich zu konzentrieren: entweder – oder! Die Entscheidung war schnell klar: weitermachen in der Warmblutzucht!

Vollblutstute La Neba xx von Nebos xx aus der La Frontalita xx von Frontal xx (Züchter: Rennstall R. Schettler u.a.) dreijährig mit Heike Schettler auf der Rennbahn Gelsenkirchen-Horst im Training bei Helga Dewald nach einem Sieg im Maidenrennen 1994.

Schulze Hesselers Wagnis von Winner

Die zweijährig erworbene, großrahmige spätere StPrSt. Wagnis von Winner – Graciano – Perlkönig aus dem erfolgreichen und bekannten Stutenstamm der StPrSt. Goldammer von Goldberg bei Josef und Ingeborg Schulze Hesseler in Beckum-Vellern war nicht nur ein überaus angenehmes Reitpferd mit Siegen in Material- und Eignungsprüfungen, sondern lieferte auch zahlreiche bemerkenswerte Pferde auf dem Hof Schettler. Das bedeutendste war ohne Zweifel der Fuchs Benstein, der auf der Stutenschau in Warendorf 1997 bestes Hengstfohlen im ersten Fohlenjahrgangs des Bolero-Sohnes Beltain Ldb. Benstein war. Drei- und vierjährig unter Dr. Uta Schettler siegreich in Reitpferdeprüfungen wurde Benstein fünfjährig unter Oliver Oelrich in Riesenbeck Westfälischer Dressurpferde-Champion , bevor er unter traurigen Umständen ums Leben kam.

Die Wagnis-Tochter VerbPrSt Fabienne von Fibonacci (Florestan – Parademarsch), nach dem Verkauf ihrer Mutter bereits auf dem Hof Rudde in Ahaus-Graes in neuem Besitz geboren, erwies sich als Volltreffer. Ihre bewegungsstarke Tochter StPrSt. Jazz Rubina (*2006 von Jazz Rubin) konnte sich in der Dressur bis M** bewähren, ihre Schwester Rosalie (*2012 von Rocky Lee) als erfolgreiche Zuchtstute und Hengstmutter des Zoom-Sohnes Zumba (*2018).

Aktuelle Zuchtstuten

Heute basieren alle Zuchtstuten und Fohlen des Hofes auf zwei Stammstuten:

zum einen auf der 1984 geborenen Fuchsstute St.Pr.St. Ria von Ricardo – Situs – Dragoner, Westfalen-Championesse 1987 und zweimalige BundesChampionats-Finalistin (1987/88), die als Zweijährige auf den Hof kam und deren Geschichte es ausführlich hier nachzulesen gibt;

zum anderen – wenn auch in deutlich kleinerem Umfang – auf der Westfälischen Siegerstute des Jahres 2000, der 1997 geborenen dunkelbraunen StPrSt. Marilu von Mon Cheri – Ehrentusch – Parcours, die eher auf Irrwegen auf den Hof Schettler gelangte und deren Geschichte hier zusammengefasst ist.

Zur Zeit sind im Zuchteinsatz:

VerbPrSt. Fräulein Ria, dbr. St. (Hann.), geb. 2014 von Franziskus a.d. StPrSt. Liberia v. Likoto xx – Rosenkavalier, eine außergewöhnlich typschöne, mit 170 cm Stm. großrahmige und dabei hochelegante, bergauf konstruierte Stute mit idealer Sattellage, gutem Rückenschluss und langer, muskulöser Kruppe. Aufgrund verbandspolitischer Turbulenzen in den Jahren 2013/2014 nicht westfälisch, sondern hannoversch gebrannt. Siegerfohlen der Hannoveraner Fohlenschau 2014 in Coesfeld-Lette, I-a-Preis der Zweijährigen an gleicher Stelle 2016. Sehr gelehriges, oft vorausdenkendes, gehfreudiges Reitpferd, immer feinfühlig und aufmerksam, mitunter etwas „elektrisch“, aber mit drei  überdurchschnittlichen Grundgangarten und hoher Versammlungsbereitschaft gesegnet. Erfolgreiche Hannoveraner Stutenprüfung 2018 in Ankum. Vollschwester zu der schon überaus bewährten VerbPrSt. Feria (u.a. Mutter der zweifachen Westfälischen Reitpferde-Championatsfinalistin StPrSt. Ria Rocana von Rock Forever) und der unter österreichischer Flagge für höhere Dressurweihen ausgebildeten, hoch veranlagten Fabula Ria.

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VerbPrSt. Fräulein Ria (sechsjährig), alias „Franzi 3“ von Franziskus – Likoto xx, trächtig und in Weidekondition mit Kathrin Schettler. Ein nahezu vollendetes Reitpferde- und Zuchtstutenmodell in schöner Typausprägung.

VerbPrSt. Ria Eterna, dbr. Stute, geb. 2017 von Rock Forever aus der VerbPrSt. Feria von Franziskus – Likoto xx, eine Vollschwester der zweimaligen westfälischen Championatsfinalistin StPrSt. Ria Rocana, mehr im Rechteckformat und in größerem Rahmen, ist eher spätreif. Die blutgeprägte Galoppade und ein ansehnliches Springvermögen lassen Qualitäten eines Vielseitigkeitspferdes erahnen. Ihre Grundausbildung wurde mehrmals unglücklich unterbrochen, einmal durch Probleme beim Zahnwechsel, dann durch eine Weideverletzung (Platzwunde), die genäht werden musste und schließlich durch einen fiebrigen Infekt. Wie ihre Vollschwester war sie Siegerstute der Stutenschau Kirchhellen 2020. Ihre reiterliche Entwicklung war durch eine als Jährling erlittene Weideverletzung am 13. Brustwirbel erheblich eingeschränkt. Liebenswürdiger, sehr menschenfreundlicher Charakter und eine exzellente Rittigkeit mit hohem Sitzkomfort.

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VerbPrSt. Ria Eterna (dreijährig) von Rock Forever – Franziskus als Siegerstute der Stutenschau Kirchhellen 2020 mit Kathrin Schettler

StPr./L.-St. San Cherie, dbr. Stute, geb. 2009 von San Amour aus der StPrSt. Marilu von Mon Cheri – Ehrentusch gehört nicht dem Ria-Stamm an, sondern kehrte nach hocherfolgreicher Sportkarriere mit Qualifikation zum Dressurpferde-BundesChampionat und 16 S-Dressurplacierungen bis zum S***-Niveau (Intermediaire II mit Piaffe, Passage und Einerwechseln), davon zwei Siege in die Zuchtstätte zurück, in der auch ihre bedeutende Mutter schon so segensreich gewirkt und u.a. den oben erwähnten internationalen Top-Springer Alex (ex Archie Moore) von Arpeggio geliefert hatte .

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StPrSt./L.-St. San Cherie von San Amour aus der StPrSt. Marilu von Mon Cheri – Ehrentusch mit Kathrin Schettler und Jessy.

Als Dreijährige hatte sich die von Günter Voss, Gestüt Letter Berg in Coesfeld gezogene San Cherie auf der Stutenschau in Coesfeld als Siegerstute mit dem I-a-Preis zur Westfälischen Eliteschau 2012 qualifiziert, in Alt-Marl eine exzellente Stutenprüfung abgelegt (8,0 im Trab, 8,5 im Galopp, 8,5 im Schritt und 8,5 sowohl von den Richtern als auch vom Fremdreiter für die Rittigkeit) und eine Reitpferdeprüfung gewonnen. Über die NRW Elite-Auktion im Oktober 2012 in Münster-Handorf wurde sie dreijährig an die Familie Manganaro in Frankfurt zugeschlagen und machte unter Annabelle Manganaro und Bianca Nowag eine absolute Bilderbuch-Karriere im Dressurviereck bis hinaus in die Klasse S***. 2020 lieferte sie ihr Erstlingsfohlen von Vitalis und sieht nun für die Zuchtgemeinschaft Schettler/Hoock weiteren Höhepunkten entgegen. Ihre Abstammung ist geradezu überhäuft mit Hochleistungspferden, interessanterweise sowohl in der Dressur als auch im Springen. Besser abgesichert kann eine Hochleistungsvererbung nicht sein!

Reserve- und Nachwuchsstute:

Die inzwischen sechsjährige StPrSt Mia Mora (*2018) vom Oldenburger Siegerhengst, Grand-Prix-Gewinner und Top-Vererber Morricone aus der StPrSt. Liberia von Likoto xx – Rosenkavalier, schwarzbraun und bildschön, in geradezu perfektem Seitenbild, mit drei vorzüglichen Grundgangarten und allerbester Rittigkeit, vor allem aber mit viel Schub und Ausstrahlung gesegnet, ist die jüngste Hoffnungsträgerin. Eine äußerst erfreuliche Stutenprüfung in Münster-Handorf, die Zulassung zur Eliteschau mit Verleihung des Titels „Staatsprämienstute“ und erste Turniererfolge in Reitpferde-und Dressurpferdeprüfungen mit hohen Noten bestätigen die Erwartungen und machen Vorfreude auf mehr.

StPrSt. Mia Mora von Morricone – Likoto xx dreijährig (2021) auf der Stutenschau in Münster-Handorf